Panke Parcours, du sollst immer bleiben / Reportage

Der Kiezreporter schildert seine persönlichen Eindrücke vom #PankeParcours2018. Er wünscht sich, dass das Musikfest weiter Geld erhält. Nicht nur, weil das Fest so schön ist, sondern weil es gebraucht wird.

Panke Parcours 2018

Der Panke Parcours ist schön, aber auch wichtig. Foto: Andrei Schnell

Wahlstand Panke Parcours 2018

Am Stand des Quartiersmanagements konnte gewählt werden. Foto: Andrei Schnell

Stefan Höppe Volker Kuntzsch

Stefan Höppe am Mikro und Voker Kuntzsch von georg & georg eröffnen den Panke Pacours 2018. Foto: Andrei Schnell

Publikum vor Bühne

Die südlichste Bühne beim Panke Pacours hinter dem Amtsgericht. Foto: Andrei Schnell

Dagmar Rehse

Entdeckung während des Panke Pacours: Dagmar Rehse stellt Wachstücher her. Foto: Andrei Schnell

Entenrennen Panke Parcours 2018

Das Entenrennen hat viele Gäste gut unterhalten. Foto: Andrei Schnell

So ist Berlin und so ist der Panke Parcours. Immer verpasst man etwas. Es ist unmöglich an einem Nachmittag an allen elf Stationen mit 70 Auftritten von Musikern unterschiedlicher Stilrichtungen dabei zu sein. Und auch das Programm drum herum, das von Führung bis Stadtspaziergang reicht, kann niemand komplett verfolgen. Auch ich als Kiezreporter habe keinen vollständigen Eindruck.

Standaufbau

Für mich beginnt der Parcours um 13.30 Uhr. Deshalb soll auch um diese Uhrzeit diese Reportage anfangen. Noch ist es still. Fleißige Helfer haben bereits das Wort Goldfisch in bunten Buchstaben an ein hölzernes Schild aufgemalt. Das ist der Name für diesen Spielort an der Brücke Gotenburger Straße, an dem ich jetzt auf das Team des Vorortbüros (die Quartiersmanagerinnen und -manager) warte.

Recep Aydinlar vom Vorortbüro blickt sich um und mustert die rohen Verschläge, die sich mit Papier und Banner in Marktstände verwandeln sollen. "Warum steht der eine  Marktstand so abseits?", fragt er. Er ist dafür, dass das Projekt GrüntalErLeben, der Wahlstand des Quartiersmanagements, die Fabrik Osloer Straße und noch ein vierter Stand zusammen rücken.

Eröffnung

Ortswechsel. Ich bin nun ein paar hundert Meter weiter vor dem Panke Haus in der Soldiner Straße. Hier eröffnet Volker Kuntzsch offiziell das Musikfest. Es ist 15 Uhr. Die Kaffeemaschine summt unaufhörlich, Waffelduft zieht über den kleinen Platz. "Finanziert das Bezirksamt den Panke Parcours auch im nächsten Jahr?", ruft Volker Kuntzsch gerade ins Mikro und blickt dabei zu Kerstin Rietz im Publikum. Volker Kuntzsch ist einer der beiden Inhaber der Agentur georg & georg, die den Panke Parcour organisiert hat. Kerstin Rietz arbeitet im Bezirksamt. Sie entscheidet nicht allein über die Zukunft des Musikfestes. Aber sie lächelt bei dieser ungewöhnlich direkten Ansprache in jugendlichem Ton. Vielleicht findet sie das sogar charmant.

Musik an elf Spielorten

Es ist 16 Uhr. Vor den Bühnen, an denen ich nun mit meinem Fahrrad vorbei fahre, ist Hochbetrieb. Auf den Wegen rechts und links der Panke schlendern viele Menschen, ich muss mit dem Rad kleine Umwege nehmen, es ist schwer radelnd durchzukommen. An einer Bühne rappt es, an der andren klingt es folkig, eine Songwriterin wirkt einsam, wie sie allein mit sich und ihrer Gitarre spielt. Aber das macht vielleicht die Musik, denn Zuhörer hat auch sie viele. An einer anderne Ecke schallen Salsarhythmen, gleich eine ganz andere Stimmung. Jemand tanzt mit Hüftschwung.

Neben der Musik Neues entdecken

Wer alles ablaufen wollte, für den wird die Zeit knapp. Am Franzosenbecken kurz vor Pankow steht die erste Bühne, hinterm Amtsgericht die letzte. Die Menschen flanieren, schlendern, picken musikalische Rosinen heraus, bleiben stehen, entdecken etwas Unerwartetes. Zum Beispiel hinter der PA 58 einen weiteren Trick fürs Upcycling. "Erst wollte ich die Leute das selber machen lassen, aber es ist doch gar nicht so einfach", sat Dagmar Rehse. Sie legt kleine Wachskugeln auf einen Stoffrest und bügelt ihn dann zwischen zwei Backpapieren. "Das ergibt einen guten Ersatz für Alu- und Frischhaltefolien", sagt sie. Neben ihrem Stand verkleiden sich Kinder und Jugendliche beim Projekt Prinzentheater, nehmen den Flyer für den nächsten Workshop des Jugendprojekts mit. Brigitte Lüdecke stellt noch einen Stand weiter ihre Tauschpartys vor.

Wettschwimmen der Badeenten

Was die Katzen für Facebook sind, das sind die Gummienten für den Panke Parcours geworden. In diesem Jahr schippern sie zum zweiten Mal die Panke hinunter - von der Brücker Heubuder Straße zur Bar Wilma. "Obwohl es hieß, man solle bis 16.45 Uhr ein Los reservieren, drängelte es sich ab 16.45 um den Entenstand", ruft mir Judith hektisch zu. Es ist keine Zeit für viele Worte, die Schlange ist lang, viele Leute wollen sich noch schnell ein Los - also eine Ente - sichern. Mit etwas Verspätung stürzen die gelben Gummivögel dann von der Brücke ins dunkle Wasser. In diesem Jahr treiben sie sehr gemütlich bachabwärts.

Die Kiezwahl

Ich bin mit meiner Runde rum und auch der Nachmittag ist rum. Ich bin wieder am Stand des Quartiersmanagements. Um 18:30 Uhr öffnet das Team des Vorortbüros die Wahlurnen. In den zurückliegenden vier Stunden haben sie gefühlt unendlich viele Menschen angesprochen. Sie haben wieder und wieder das Verfahren Quartiersmanagement erklärt und dabei für die Kiezwahl geworben. Nun werden die Stimmen gezählt. Und auch mehrmals nachgezählt, bis die Zahlen auf der Liste und die Anzahl der Wahlzettel übereinstimmen. "216 gültige Stimmen sind an diesem Tag und den vorhergehenden zwei Wochen zusammen gekommen", verkündet Quartiersmanagerin Nadin Schmolke schließlich sichtlich zufrieden.

Panke Parcours für immer

Die Musiker packen ein, die Sonne verkrümelt sich, in den Bars und den Clubs bleiben einige Gäste noch weit bis nach 19.30 Uhr - dem offiziellen Ende an der am längsten bespielten Bühne. Am Stand des Vorortbüros ist nun wieder alles ein- und zusammengepackt, was eben noch wie ein Marktstand aussah, wirkt nun wieder wie eine lose, windschiefe Bretterbude

Das ist der Moment, an dem sie sich nicht mehr verdrängen lässt. Die Frage: War es der letzte musikalische Panke Parcours? Die Förderlogik des Verfahrens Quartiersmanagement sagt ja, denn es soll ausdrücklich nicht dauerhaft einzelne Projekte fördern.

Auf dem Weg nach Hause durch den abendlichen Wedding, überlege ich mir, dass auch einiges dafür spricht, den Panke Parcours fortzuführen. Denn es gibt nicht viele Projekte, die so viele Menschen zusammen bringen und auch begeistern. Und der Parcours ist zu einem Markenzeichen des Soldiner Kiezes und des Badstraßenkiezes geworden; sonst fällt der Name Soldiner Kiez nur in Zusammenhang mit Problemen. Außerdem: wann anders gibt es die Gelegenheit, so viele Menschen zu erreichen und ihnen das Quartiersmanagement, die Projekte, die Initiativen, die Einrichtungen von Panke Haus bis Bibliothek am Luisenbad in guter Atmosphäre näher zu bringen?

Infos zum Panke Parcours

Der Panke Parcours ist ein vom Quartiersmanagement Soldiner Kiez aus dem Projektfonds mit Mitteln der sozialen Stadt gefördertes Projekt. Es ist ein Projekt mit großer Ausstrahlung weit über den Stadtteil hinaus.

Weitere Fotos vom Panke Parcours sind auf dieser Webseite unter Fotoeindrücke und auf Facebook in einem Fotoalbum zu sehen.

4. September 2018