Nachfrage aus Köln: Was ist Quartiersmanagement?

Ein Vergleich zwischen Sozialraumkoordinierung in Köln und Quartiersmanagement in Berlin macht die Eigenheit des Berliner Programms klarer. Kölner Gäste besuchten Vorortbüro und brachten Fragen mit.

Köln

Verantwortung für den Sozialraum tragen - im Kölner Veedel wie im Berliner Kiez. - Foto: Andrei Schnell

In Köln sagt man Veedel, in Berlin Kiez. Doch es gibt noch mehr Unterschiede bei der Arbeit im Sozialraum, wie ein Besuch Kölner Sozialraumkoordinatoren im Vorortbüro zeigte. Gekommen war eine Gruppe von Koordinatoren aus der Rheinmetropole.

Zuerst musste ein mögliches Missverständnis geklärt werden. In Berlin gibt es zwar seit kurzer Zeit ebenfalls wie in Köln eine Sozialraumkoordination. Im Bezirk Mitte jeweils eine pro Bezirksregion - also für das arme Gebiet Osloer Straße wie für das noble Gebiet Regierungsviertel. Doch im Vergleich zum Quartiersmanagement ist die Sozialraumkoordination in Berlin - noch? - schwach ausgestattet.

Also waren die Kölner im Vorortbüro in der Koloniestraße durchaus richtig, auch wenn dort Quartiersmanager arbeiten. Denn die Aufgabe der Stadtteilarbeiter ist in beiden Städten vergleichbar: "Oberstes Ziel ist die Verbesserung der Lebensbedingungen für die Bewohner. Fünf Leitziele: Partizipation, Prävention, Integration, Kooperation und effektiver Mitteleinsatz", heißt es in der Broschüre "Lebenswerte Veedel - Gute Beispiele aus der Praxis". Auf der Webseite des Berliner Quartiersmanagements heißt es: "Das Berliner Quartiersmanagement aktiviert die Bewohnerschaft und beteiligt sie an der Weiterentwicklung ihres Kiezes".

Aber es gibt auch Unterschiede. Das Programm "Lebenswerte Veedel" wurde in Köln von Verwaltung und Wohlfahrtsverbänden erarbeitet. Das Quartiersmanagement ist dagegen aus dem Städtebau erwachsen. In Köln gibt es pro Sozialraum eine ausfinanzierte Stelle, in Berlin hat jedes Vorortbüro mindestens zwei volle Stellen - je nach Bedarf sind 2,3 oder 2,5, die manchmal auf drei Mitarbeiter aufgeteilt werden. Projektmittel von 300.000 Euro für drei Jahre scheinen nach Reaktion der Gäste zu urteilen in Köln eine sehr große Summe zu sein. In Berlin ist Einrichtung und Aufhebung von Quartiersmanagements an Sozialdaten gekoppelt, in Köln werden nicht ausschließlich sozial benachteiligte Stadtteile ins Programm aufgenommen. In Berlin bezahlen das Verfahren die EU, der Bund und das Land gemeinsam (über das Programm Soziale Stadt). Die Lebenswerten Veedel sind eine freiwillige Leistung der Stadt und werden von der großen Gemeinde am Rhein ohne Hilfe von Außen selbständig getragen. In Köln werden Nachrichten aus dem Veedel noch in Form eines Printmediums herausgegeben. Allein auf Onlinenachrichten zu setzen, stieß auf Erstaunen.

Und noch einen Unterschied gibt es. In Köln ist die fachamtsübergreifende Zielstellung deutlicher formuliert. In diesem Punkt ähnelt das Kölner Programm dann doch dem Leitbild der Berliner Sozialraumkoordinierung.

Mehr Infos:

Fotos vom Besuch auf Facebook (ohne Registrierung sichtbar) oder unter Fotoeindrücke auf dieser Webseite

Webseite der Kölner Lebenswerten Veedel

Broschüre "Gute Beispiele aus der Praxis" in Köln

Infos zur Stadtteilkoordinierung im Bezirk Mitte

20. April 2018