Zum Glück repariert

Repair-Cafés machen vor allem Spaß. Das merkt der Kiezreporter bei einem Vorort-Termin im "Repair Cafe Soldiner".

Repair Cafe Soldiner

Repair Cafe Soldiner

Wie funktioniert ein Repair-Café? Ich als Kiezreporter probiere es selbst aus. Ich entdecke dabei, dass auch ein Glücksmoment dazugehört.

Zuerst suche ich zwei defekte Geräte aus. Gerade herum stehen eine Verlängerungsschnur, bei der ich vermute, dass nur das Lämpchen im Kippschalter durchgebrannt ist und eine Seifenblasenmaschine, bei der etwas gelötet werden muss. Und dann gehe ich am Donnerstag, 14. April, los.

Jeder Gast wird von Elisa Garrote-Gasch begrüßt. Sie organisiert die Treffen, die jeden zweiten Donnerstag von 17 bis 20 Uhr im Erdgeschoss im ersten Hinterhof in der Osloer Straße 12 stattfinden. Sie schaut sich die von mir mitgebrachten defekten Dinge an und äußert einen ersten Verdacht. Dann fülle ich zwei Reparaturbelege aus. Die sind wichtig, weil ich damit die Allgemeinen Geschäftsbedingungen akzeptiere. Eines muss klar sein: Eine Garantie gibt es nicht, denn hier repariert der Gast selbst oder ehrenamtliche Reparateure.

Ich löte die mitgebrachte Seifenblasenmaschine selbst. Einen Lötkolben habe ich zu Hause nicht; und die eigene Anschaffung eines solchen Gerätes, das ich nur selten nutzen würde, ist nicht sinnvoll. Das ist ein Prinzip eines Repair-Cafés: Werkzeuge bereit zu halten. Hier stehen eine neue Nähmaschine, Fahrradwerkzeug, ein Lötkolben, Klebepistolen, ein 122-teiliger Bitsatz für klassische Schraubendreher und ein umfangreicher Bitsatz für Mini-Schraubendreher die für Handys genutzt benötigt werden, ein Meßgerät Multimeter, und, und, und bereit. 

Beim Kippschalter der Verlängerungsschnur hilft mir ein Ehrenamtlicher. Es stellt sich heraus, dass nicht das Kontrolllämpchen durchgebrannt ist, sondern nur ein Plättchen im Schalter verrutscht ist. Das heißt, die Schnur wäre beinahe weggeworfen worden, obwohl streng genommen nichts kaputt war.

Am Ende der Reparatur werde ich überrascht von einem Glücksgefühl. Es kommt unerwartet. Es kommt daher, dass beide Geräte funktionieren, dass ich wie beim Puzzeln für eine Weile den Alltag hinter mir gelassen und etwas über Geräte gelernt habe, dass ich glaube, etwas Gutes getan zu haben, weil ich keine neuen Geräte kaufte.

Auch den anderen Gästen scheint es so zu gehen. Mit einem Lächeln verlassen sie den Raum. Die Gäste haben an diesem Abend Jacken und Hosen geflickt, aus einem alten Mantel einen Rucksack genäht, einen undichten Wasserkocher geflickt, den Wackelkontakt am Lautsprecher eines Miniradios beseitigt, den Bildschirm eines Laptops wiederbelebt, Stecker von Kopfhörern gelötet, einen Toaster und einen Mixer repariert.

Einige Gäste an diesem Donnerstag kommen von weit her. Ein Student kommt sogar aus Hohenschönhausen. Ein anderer Gast kommt zum Nähen, obwohl er zu Hause eine eigene Nähmaschine hat, weil er den festen Termin mag. Die ehrenamtliche Reparateure kommen, weil sie nach einem Tag im Büro einmal mit ihren Händen etwas schaffen und auch vollenden wollen oder weil sie praktische Erfahrungen sammeln wollen.

Ich kam ohne Termin. Am 14. April war dies kein Problem. Elisa Garrote-Gasch empfiehlt aber, vorab eine Mail zu schicken an info@repaircafe-soldiner.de.

Repair-Cafés gibt es einige in Berlin, auch im Wedding gibt es mehrere, wie nachzulesen ist auf dem weddingweiser.de. Allen gemeinsam ist der Gedanke, dass viele Dinge unnötig weggeworfen werden, weil nur Kleinigkeiten defekt sind. So soll Abfall gespart werden. Außerdem lernen die Gäste, wie Geräte funktionieren und wie man viele kleinere Defekte einfach selbst beheben kann.

Das Repair-Cafe Soldiner werkelt jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat von 17 bis 20 Uhr in der so genannten Alten Werkstatt in der Fabrik Osloer Straße 12 im ersten Hof im Erdgeschoss (Tür Aufgang A). Termine werden (noch) nicht vergeben, eine Anfrage vorab per E-Mail an info@repaircafe-soldiner.de ist empfehlenswert.

Aktuell gesucht wird noch ein ehrenamtlicher Reparatuer. Im Moment sind es drei, aber vier bis fünf sind eine gute Größe, wie Elisa Garrote-Gasch sagt.

Fotos von diesem Abend sind zusammengefasst auf der Unterseite Fotoalbum Repair-Cafe Soldiner.

Das Repair-Café Soldiner wurde vom Quartiersrat ausgewählt und mit Mitteln der Sozialen Stadt gefördert.

LINK

Allgemeine Infos zum Repair-Café Soldiner.

15. April 2016