Nachbarn im Gespräch: Clarissa Meier: „Verantwortung tragen“

Sie ist Unternehmerin und engagiert sich. „Wer Verantwortung übernehmen kann, der muss auch“, sagt sie. Seit rund 20 Jahren kümmert sich Clarissa Meier nebenbei auch um den Soldiner Kiez.

Clarissa Meier

Clarissa Meier vor ihrem Hotel "Big Mama". Foto: Andrei Schnell

Clarissa Meier ist Inhaberin des „Seniorendomizils an der Panke“, des Hotels „Big Mama“ und des Cafés „La Tortuga“ in der Koloniestraße. Damit könnte sie genug Verantwortung tragen. Doch die 49-jährige nimmt sich Zeit, um sich zusätzlich für Kiezinteressen einzubringen.

Die Motivation, ihrem Umfeld etwas zurückzugeben, zieht sie auch einer persönlichen Erfahrung. „Ich habe verantwortungsvolle Menschen in meinem Leben getroffen, denen ich viel verdanke.“ Nun möchte sie etwas zurückgeben. Wenn sie über ihr Leben spricht, wirkt sie wie ein Stehaufmännchen. Offenkundig ist sie ein Mensch, der nach vorn blickt, der destruktive Gefühle überwindet, der das Positive sieht. „Ich habe einen liebevollen Blick auf den Kiez, nicht voller Zorn.“

Seit dem Jahr 2000 leitet sie das Seniorenheim in der Koloniestraße, das damals noch ihrem Ehemann gehörte. Von Anfang ging sie Schritt für Schritt auf ihr Ziel zu, das Haus zum Kiez zu öffnen. „Meine Idee war, ein Kiezzentrum zu schaffen.“ Blickt sie heute auf das in fast 20 Jahren Erreichte zurück, sagt sie: „Ich hatte mir noch mehr vorgestellt.“ Zunächst fing es damit an, die Türen nicht länger abzuschließen. Jetzt bezuschusst sie ein Café, in dem sich die Bewohner des Heims und die Menschen aus dem Kiez treffen können.

Als das Quartiersmanagement 1999 in den Soldiner Kiez das Vorortbüro eröffnete, war sie einer der ersten, die sich im Quartiersrat einbrachten. „Herr Fischer kam damals zu mir und fragte mich, ob ich mitmachen wolle. Seine Einladung traf sich mit meinem Wunsch, meine Seniorenresidenz in Richtung Kiez zu öffnen.“ Sich öffnen, das hieß für sie auch immer, Verantwortung zu zeigen. Zum Beispiel schuf sie Ausbildungsplätze für Jugendliche aus dem Kiez, als solche Stellen in Berlin knapp waren. Sie unterstützt seit neun Jahren die Senioren-Cheerleading Gruppe. Oder sie führte das ursprünglich geförderte Kalenderprojekt auf eigene Kosten weiter. Sie hat sich verpflichtet, zehn Jahre lang die Beleuchtung für den nachts dunklen Weg von der Koloniestraße zur Panke zu bezahlen. „Wer Verantwortung übernehmen kann, der muss auch“, sagt sie dazu.

27. März 2018