Zeitzeugen gesucht, die aktuell oder früher Flucht erlebt haben

Die Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ will Erinnerungen an möglichst viele Fluchtgeschichten in einem neuen Dokumentationszentrum aufbewahren.

Fluchtgeschichten und Material sucht die Stiftung, Vertreibung, Versöhnung

Erinnerung verblassen schnell. Und auf einmal sind Fluchtgeschichten zu Fluchtgeschichte geworden. Wer weiß heute noch, was es mit dem "Deutschlandhaus" am Askanischen Platz in Kreuzberg auf sich hat. Als "Haus der ostdeutschen Heimat" diente es der damaligen gleichnamigen Stiftung als Hauptsitz. Das Ziel der aufgelösten Stiftung war die „Pflege und Vermittlung aller kulturellen Werte deutscher Siedlungsgebiete außerhalb des Geltungsbereiches des Grundgesetzes“. Nach dem zweiten Weltkrieg nannte man die Millionen Menschen, die aus Osteuropa nach Westdeutschland migrierten, Vertriebene. Ein fast vergessener Teil deutscher Geschichte.

Nun bekommt das Deutschlandhaus einen neuen Zweck. Es wird Sitz der Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung. Nach Abschluss der gerade laufenden Sanierung soll das Haus wiedereröffnen. Zentral wird ein Dokumentationszentrum sein. Für diese Ausstellung und das für das Archiv sucht die Stiftung nun Zeitzeugen, damit deren Erinnerungen aufbewahrt werden können. "Flüchtlinge der Jugoslawienkriege in den 1990er Jahren, deutsche Vertriebene aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, ihre Kinder und Enkel, oder heutige Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten", ruft die Stiftung dazu auf, aus ihrem Leben zu erzählen.

Flucht und damit Heimatverlust ist eine universelle Erfahrung, so die Stiftung. Aktuell sind Einwanderung und Flucht nach Deutschland zu erleben und politisches Thema. Im geschichtlichen Rückblick sind sie allerdings keine Ausnahme, sondern beinahe der Regelfall. Flucht nach Deutschland ist dabei so vielfältig wie die historischen Umstände. Hinzu kommt, dass jedes einzelne Schicksal einmalig und wert ist, dokumentiert und aufbewahrt zu werden.

„Neben schriftlichen Berichten über Flucht und Neuanfang sucht die Stiftung Tagebücher, Briefe, Fotos, Zeichnungen, Ausweise und sonstige Dokumente in verschiedensten Sprachen“, schreibt die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung. Wer Material oder Lebensgeschichten beisteuern kann, meldet sich bis 20. Dezember.

Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung

Mauerstraße 83/84

10117 Berlin

E-Mail: geschichten@sfvv.de

Telefon: 030 206 29 98-23

7. Dezember 2017