Svenja Wagner sagt goodbye

„Ich gehe mit großen Abschiedsschmerz. - Danke an den Kiez!‟ Ehemalige Quartiersmanagerin Svenja Wagner im Interview mit dem Kiezreporter.

Svenja Wagner

Svenja Wagners letzter Arbeitstag in der Koloniestraße 129.

Kiezreporter: Du verlässt den Soldiner Kiez. Deshalb zunächst einen Blick zurück: Wie fing alles an?

Svenja Wagner: Meiner erster Arbeitstag als Quartiersmanagerin war der 18. Januar 2010 – ganz klassisch ein Montag. Ich kannte Quartiersmanagement (QM) und das Förderprogramm Soziale Stadt aber schon aus meiner vorherigen Arbeit. Ich habe bei der SPI – Stiftung Sozialpädagogisches Institut Berlin »Walter May«, Bereich Ausnahme & Regel (Stadtentwicklung)– gearbeitet und dort unter anderem das berlinweite Modellprojekt Jugendräte betreut. Ich habe auch dort bereits Abrechnungen von QM-Projekten geprüft. Oder fragst Du nach den Jahren davor, als ich in Berlin Sozialpädagogik studiert habe?

Kiezreporter: Bleiben wir erst einmal beim Jahr 2010. Wie hast Du die ersten Arbeitswochen als Quartiersmanagerin erlebt?

Svenja Wagner: Gleich in meiner zweiten Arbeitswoche sind wir mit dem QM Büro aus dem Ausweichbüro in der Drontheimer Straße zurück in die Koloniestraße 129 gezogen – dorthin wo das Büro vorher war und nach wie vor ist. Das war mein Auftakt.

Inhaltlich kannte ich ja durch meine Arbeit bei der Stiftung SPI die QM Arbeit schon ein wenig – zumindest theoretisch. Ich hatte dort einige Kolleginnen, die zuvor in einem QMs gearbeitet hatten und mir viel davon erzählt haben.

Was ich dann allerdings ziemlich schnell gemerkt habe war, dass die Arbeit als Quartiersmanagerin viele Themen berührt und ich die verschiedenen Stränge meines bisherigen Berufslebens und privaten Interessen verknüpfen konnte. Das hat die Arbeit für mich bis zum letzten Tag so spannend gemacht.

Kiezreporter: An welche Projekte der zurückliegenden sieben Jahre erinnerst Du Dich besonders gern?

Svenja Wagner: Spontan fällt mir der Kiezgucker ein. Ein Projekt zur baukulturellen Bildung für Kinder. Die haben wirklich ganz tolle Sachen gemacht. Eines Tages habe ich eine selbstgemalte Postkarte von den Kindern des Kinderklubs bekommen. Bei dem Projekt haben die Kinder gelernt, wie Stadt funktioniert. Und dazu gehört auch die Post. Die Karte habe ich immer noch und werde sie auch in das neue Büro mitnehmen.

Aber toll war natürlich noch viel mehr: Die Spielplatzsanierungen zum Beispiel mit den Kinderbeteiligungen – besonders dass der Wunsch der Kinder nach einem Wasserspiel tatsächlich wahr geworden ist.

Und natürlich die Wochenenden der Kolonie Wedding. Hier habe ich immer viele „Soldiner“ getroffen und abends noch lange geredet und auch gefeiert. Besonders ans Herz gewachsenen sind mir aber die Büronachbarn: die Frisbee-Kinder. Aber eigentlich ist da sehr viel mehr. Wenn ich anfange nachzudenken, dann finde ich kein Ende.

Kiezreporter: Wie wirst Du den Soldiner Kiez in Erinnerung behalten?

Svenja Wagner: Ich werde den Soldiner Kiez als einen ganz besonderen Stück Berlin in Erinnerung behalten: Es war großartig, wie der Kiez mich aufgenommen hat. Nicht nur das Team - damals noch die L.I.S.T. GmbH – sondern vor allem der Kiez, die Menschen hier. Ich habe hier sehr viele besondere Erfahrungen gemacht. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich werde mich an die Leute erinnern. Daran, wie viele Menschen hier im Kiez eine unglaublich positive Energie haben. Ich spüre, sie wollen etwas, es geht den Menschen hier um eine positive Veränderung.

Kiezreporter: Hat sich denn viel verändert?

Svenja Wagner: Gerade im Moment ändert sich der Kiez oder hat sich auch schon stark verändert. So waren - nur ein kleines Beispiel - früher viele Kitaplätze frei. Jetzt wird es für junge Eltern schwierig einen freien Platz zu finden. Und auch – ich weiß, dass viele das anders sehen – dass der Kiez sauberer geworden ist. Und wir haben irgendwie andere Menschen im Quartiersrat, aber das ist mehr so ein Gefühl.

Kiezreporter: Ein Blick nach vorn. Wohin gehst Du beruflich?

Svenja Wagner: Ich wechsle in die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen. Dort gibt es die neu geschaffenes Programm: Integration im Quartier. Der heißt korrekt: Berlin entwickelt neue Nachbarschaften (BENN). Dort werde ich verantwortlich sein für einige Standorte. Ich werde die Teams betreuen, die ähnlich wie QM-Teams in der Nähe von festen Flüchtlingsunterkünften das nachbarschaftliche Miteinander organisieren werden. Ich finde das einen Super-Ansatz. Berlin geht hier präventiv an Orte bevor dort Probleme entstehen. Ich denke, mit diesem Ansatz kann viel erreicht werden. Was ich im Kiez gelernt habe, will ich bei BENN gewinnbringend einbringen. Ein wenig Öffentlichkeitsarbeit gehört auch zu meiner Aufgabe. Zukünftig wird es also auch eine Internetseite geben, die erklärt, was BENN macht. Dort können dann Interessierte aus dem Kiez nachlesen, was ich zukünftig tue.

Kiezreporter: Hast Du einen letzten Satz, der in die Geschichte eingehen soll?

Svenja Wagner: Was mir wirklich wichtig ist, das ist zu sagen, dass der Soldiner Kiez ein sehr lebendiger, aktiver Kiez ist. Die Menschen sind hier unglaublich ehrlich. Lob und Kritik kommt hier sehr direkt, es wird wenig intrigiert. Wer Dich kritisiert, der guckt Dir dabei in die Augen. Das werde ich vermissen.

Also der letzte Satz: Ich gehe mit großen Abschiedsschmerz. - Danke an den Kiez!

28. Februar 2017